27. September 2013

Senioren auf dem Weg ins Internet

Bild_Blog_15

Wie kommen ältere Menschen ins Internet? Und was bringt ihnen dies überhaupt? Diese Fragen beantwortete ein Symposium in Bern. Es beschloss das Forschungsprojekt Third Age Online (TAO). Das Projekt zeigte, dass über 60-Jährige viel gewinnen, wenn sie die Möglichkeiten des Internets nutzen.

Nein, das Internet macht nicht glücklicher. Aber es hilft, die Lebensqualität zu halten, gerade auch im Alter. Zwar seien die realen Beziehungen entscheidend für die Lebensqualität im Alter. Doch gerade ältere Menschen – zumal wenn sie weniger mobil sind als in jüngeren Jahren – profitieren von der virtuellen Kommunikation, weil sie ihnen hilft, mit anderen Menschen, etwa mit ihrer Familie, im Kontakt bleiben. Dies war eines der Ergebnisse des EU-Forschungsprojekts Third Age Online (TAO), an welchem sich Forschende aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden beteiligten.

Technische Hürden abbauen
Damit ältere Menschen sich aktiv und mit Freude am Internet beteiligen, braucht es allerdings zweierlei: Zum Einen müssen sie darin einen Nutzen sehen. Zum Anderen soll der Zugang nicht mit Hürden technischer Art verbaut sein. Deswegen nehmen sich die Experten der Altersinnovationsstiftung „Terz Stiftung“ Webseiten vor und testen sie auf Benutzerfreundlichkeit. Sie achten besonders darauf, dass die Seite intuitiv zu bedienen ist und dass die Schriften gut lesbar sind. Das kommt nicht nur älteren Personen zu Gute. „Ist eine Internetseite seniorengerecht, kommen auch jüngere Personen besser damit zurecht“, sagt etwa Eduard Klein, Software Engineer an der Berner Fachhochschule.

Heute sollte es nicht mehr so sein, dass Senioren das Objekt einer Forschung oder einer Webseiten-Entwicklung sind, meinte Andreas Ninck, Professor am Institut Unternehmensentwicklung an der Berner Fachhochschule, in seinem Referat. „Senior zu sein, bedeutet Erfahrung zu haben“, betonte er. Deswegen sollten Senioren beim Designen einer Webseite idealerweise von Anfang an mit an Bord sein.

Helfen, à jour zu bleiben
Seniorweb ist eine der Organisationen, welche sich dem Ziel verschrieben hat, Senioren beim Gang ins Internet und bei der Beteiligung an Communities zu unterstützen. „Der Wandel im Mediennutzungsverhalten wird uns immer stärker beschäftigen, wenn wir Senioren helfen wollen, à jour zu bleiben“, sagte der Präsident von Seniorweb und ehemalige Nationalrat Anton Schaller. Die Organisation bietet ihren Mitgliedern unter anderem Support bei Computerproblemen und Kurse für den Umgang mit dem Computer an.

Doch weshalb sollten sich ältere Menschen überhaupt auf Internet-Communities einlassen? Aus keinem anderen Grund, aus dem es auch jüngere tun: Weil es ihnen einen Nutzen bringt. Wobei dieser Nutzen durchaus ideeller Natur sein kann, wie Markus Marquard von der Universität Ulm am Beispiel Wikipedia erläuterte. „Senioren können darin nicht nur eine Sinnerfüllung sehen, sondern sich selbst auch als kompetent erleben.“ Denn viele Senioren tragen reiche Erfahrung und viel Wissen mit sich, welches sie gern mit anderen Menschen teilen würden. Ihr Nutzen ist das Bewusstsein: Was bei Wikipedia steht, ist nicht verloren.

Am wichtigsten: Das Erfolgsgefühl
Ob Wikipedia, Computerkurse oder Webseiten-Tests – all diese Dienstleistungen funktionieren nur dank Menschen, die unentgeltlich mitarbeiten. Und auch hier gilt: „Am wichtigsten ist das Gefühl des Erfolgs: Unsere Klienten sind glücklich“, sagt Elisabeth Weinberger von SeniorWeb Niederlande, die mit mehreren Tausend Freiwilligen zusammenarbeitet. Ihre eigene Aufgabe bestehe in erster Linie darin, für den reibungslosen Ablauf und perfekte Arbeitsbedingungen der Freiwilligen zu sorgen.

Zum TAO-Abschlusssymposium in Bern kamen rund 60 Fachpersonen aus Seniorenorganisationen, Behördemitglieder sowie weitere interessierte Personen. Das TAO-Forschungsprojekt untersuchte zwischen 2010 und 2013, wie ältere Menschen von den Möglichkeiten und Angeboten von Online-Communities einen Nutzen ziehen können.

Diese Seite existiert auch auf: Englisch

Fusszeile

Share |
|  RSS feed